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“Umstellung von ISDN auf VoIP noch nicht zu empfehlen”

In der DGN GUSbox Hotline häufen sich derzeit Anfragen und Beschwerden von Arztpraxen, die von einem herkömmlichen ISDN-Anschluss auf die neue IP-Technologie umgestellt haben. Seither kommt es vielfach zu erheblichen Störungen und Ausfällen in der Telefonie und Fax-Kommunikation sowie bei anderen ISDN-basierten Datendiensten. Das DGN rät GUSbox-Nutzern deshalb von einem Wechsel auf Voice-over-IP zum jetzigen Zeitpunkt ab.

Das herkömmliche Festnetz wird in Deutschland bald Geschichte sein. An seine Stelle tritt dann das digitale Telefonieren über das Internet, genannt Voice over IP (VoIP). In den kommenden Jahren werden alle Telekommunikationsanbieter ihre Anschlüsse auf die sogenannte IP-Technik umstellen.

Der Grund: Während für den klassischen, leitungsvermittelten Telefondienst mit analoger oder ISDN-Technik ein dezentrales Netz von Telefonvermittlungsstellen betrieben werden musste, kann bei der IP-Telefonie die Technik an wenigen zentralen Stellen gebündelt werden. Dies bedeutet eine enorme Kostenersparnis für die Anbieter. Zudem lassen sich die frei werdenden Kapazitäten in den Leitungen für DSL-Signale nutzen und dadurch die Reichweite bzw. Geschwindigkeit des Anschlusses steigern.

Telefonanlage

Umstellung bis 2018

Insbesondere die Deutsche Telekom, die rund 20 Millionen Festnetzanschlüsse in Deutschland verwaltet, treibt derzeit den Umstieg auf VoIP voran. Bis 2018 sollen alle Kunden umgestellt sein - in 54 Großstädten sogar bis Mitte 2016. Wer seinen Internet- und Telefonanschluss von anderen Anbietern bezieht, die bei der Telekom die Anschlussleitung zum Kunden anmieten und somit schon jetzt den Betrieb von dezentralen Telefon-Vermittlungsstellen einsparen, nutzt in der Regel bereits IP-Telefonie. Anbieter von Anschlüssen, die über den TV-Kabelanschluss laufen, haben von Anfang an eine VoIP-ähnliche Technik eingesetzt.

Bei einem IP-basierten Anschluss werden alle Verbindungen (Telefonieren, Surfen, Mailen, Faxen, Fernsehen) über das Internet aufgebaut. Man spricht deshalb auch von All-IP. Die Vorteile bestehen nach Anbieter-Angaben im schnelleren Datenaustausch dank höherer Bandbreiten, höherer Effizienz dank vernetztem Arbeiten ohne Medienbrüche sowie in der verbesserten Erreichbarkeit dank einer einzigen Rufnummer.

Druck auf Kunden?

Das Online-Magazin golem.de berichtet, dass aktuell rund 300.000 Telekom-Kunden von einer Zwangsumstellung auf All-IP betroffen sind. Anderen Kunden, bei denen die Umstellung noch gar nicht ansteht, würde suggeriert, dass sie an einem zeitnahen Wechsel nicht vorbeikämen. Das Magazin bezieht sich dabei auf einen Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, demzufolge die Bundesnetzagentur der Telekom vorwirft, dass ihre Callcenter und die beauftragten Subunternehmen "zum Teil unnötigen Druck auf Endkunden ausüben" und teils falsche Versprechen zur Datenübertragungsrate neuer Anschlüsse machten.

Folgekosten bedenken

Einige DGN GUSbox-Kunden haben berichtet, dass sie durch die Umstellung auf die IP-Technologie einen günstigeren Tarif erhalten und bis zu 30 Euro im Monat einsparen würden. "Auf den ersten Blick klingt das natürlich verlockend, aber man sollte dabei auch die Folgekosten bedenken, die mit der Umstellung auf IP einhergehen", rät DGN-Geschäftsführer Armin Flender. So sind die bisher mit ISDN genutzten Geräte wie etwa Telefonanlagen, Faxgeräte, Router, EC-Cash-Kartenterminals, Alarmanlagen oder Hausnotrufsysteme häufig gar nicht für die IP-Technik geeignet und funktionieren an IP-Anschlüssen deshalb nicht zuverlässig oder sogar gar nicht. Müssen sie ersetzt werden oder ist ein Upgrade notwendig, entstehen schnell hohe Folgekosten - insbesondere dann, wenn der EDV-Betreuer dafür ins Haus kommen muss.

Immer wieder Ausfälle

In punkto Zuverlässigkeit scheint die IP-Technologie noch in den Kinderschuhen zu stecken. Immer wieder kam es laut Presseberichten wie zum Beispiel auf zdnet.de oder crn.de in den vergangenen Monaten zu Ausfällen, die bis zu 200.000 Telefonanschlüsse gleichzeitig lahmlegten. Während das ISDN-Netz ja noch dezentral über Vermittlungsstellen (Hauptverteiler) betrieben wurde, ermöglicht IP die Bündelung an wenigen Knotenpunkten. Diese Zentralisierung birgt laut CRN-Autor Stefan Adelmann die Gefahr, dass bei einem technischen Problem mit einem Schlag nicht nur wenige, sondern Tausende Anschlüsse betroffen sind.

Für Arztpraxen stellt dies ein großes Problem dar, denn sie müssen für ihre Patienten verlässlich erreichbar sein. Die Lübecker Nachrichten berichten von einem Allgemeinmediziner aus Wentorf, dessen Praxis nach der Umstellung auf VoIP vier Wochen lang telefonisch nicht zu erreichen war. In seinem umfassenden Report "IP-Telefonie kommt", der in Ausgabe 15 des Computermagazins c't erschienen ist, rät Autor Urs Mansmann denjenigen, die zwingend auf einen funktionierenden Anschluss angewiesen sind, sich bei der Umstellung auf VoIP einen Mobilfunkanschluss als Backup zuzulegen. Mit einer bedingten Rufumleitung ließen sich kleinere Störungen so überbrücken.

Störungen in Datendiensten

Neben der Telefonie werden in den meisten Arztpraxen regelmäßig Datendienste genutzt, die einen vollwertigen ISDN-Anschluss voraussetzen. Vor allem beim Faxversand kommt es durch den Umstieg auf VoIP zu massiven Störungen, weil der für Sprachübertragung optimierte Anschluss nicht so zuverlässig ist wie eine ISDN-Verbindung. Wenn hin und wieder ein Datenpaket verloren geht, gibt es einen kleinen Knackser, der beim Telefonieren kaum wahrgenommen wird. Eine Modemverbindung reagiert hingegen sehr empfindlich: Die Fax-Verbindung bricht ab und Dokumente werden unvollständig übertragen. Zwar gebe es das Protokoll T.38 für Fax over IP, berichtet Mansmann in seinem Report, aber es werde von vielen Anbietern nicht eingesetzt - mit dem Argument, dass die VoIP-Verbindungen qualitativ so gut seien, dass man darüber problemlos eine Modemverbindung herstellen könne. Die Realität sieht jedoch, so auch die Erfahrung vieler DGN GUSbox Anwender, bislang anders aus.

"Auch bei der Nutzung von D2D-Anwendungen, beim Labordatenabruf per ISDN sowie beim Versand von eArztbriefen von GUSbox zu GUSbox waren unsere Kunden von Störungen betroffen", berichtet Armin Flender. "Leider haben wir keinerlei Einfluss auf die Verbindungsqualität der IP-Anschlüsse unserer Kunden und können somit einen reibungslosen Betrieb nicht garantieren. Daher ist eine Umstellung von ISDN auf VoIP zum jetzigen Zeitpunkt aus unserer Sicht noch nicht zu empfehlen."

Umfrage der Verbraucherzentralen erfasst Beschwerden

Auch die Verbraucherzentralen registrieren seit einiger Zeit vermehrt Beschwerden von Telefonkunden, die über Probleme bei der Umstellung auf die neue Anschlusstechnik klagen. "Häufig erhalten die Betroffenen gar keine Antwort oder Hilfe vom Telekommunikationsanbieter, so dass sie längere Zeit ihr Telefon nicht nutzen können", heißt es in einer Mitteilung der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. In einer bundesweiten Umfrage, die noch bis zum 10. Juli läuft, werden die Beschwerden zum IP-basierten Anschluss erfasst und auswertet. Die Ergebnisse sollen dann Politik und Anbietern zur Verfügung gestellt werden und mögliche Handlungsspielräume aufzeigen. Verbraucher können an der Umfrage unter www.nvzmv.de teilnehmen.

Quellen & weitere Informationen:

Autor: Katja Chalupka

DGN Team KC

Presse-Ansprechpartnerin:

Katja Chalupka Redaktion & Öffentlichkeitsarbeit Niederkasseler Lohweg 185 40547 Düsseldorf
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